Die Frauen und Arbeit-Trilogie von Tatjana Turanskyj
Wenn über die aktuelle Situation der Frauen in der Gesellschaft gesprochen wird, steht ihre Rolle im Erwerbsleben immer weit oben auf der Agenda. Gerade in Deutschland wird die Auseinandersetzung um die Vereinbarkeit von Frau – Familie – Erwerbsarbeit intensiv geführt. Weiter benötigt der auf Wachstum fixierte Kapitalismus die Frauen immer dringender als Arbeitsressource. Als Konsumentin steht sie bereits lange im Fokus der Unternehmen. Die intensivierte Globalisierung und die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie haben für beide Geschlechter zudem die Anforderung an das Anpassungsverhalten („Flexibilität“) und die Eigeninitiative („networken“, sich verkaufen) deutlich verschärft.
Allerdings differenziert der Arbeitsmarkt weiterhin zwischen Männern und Frauen: am eklatantesten zeigt sich dies in der Überzahl von Frauen in Teilzeit oder schlechtbezahlter Arbeit im Dienstleistungssektor ohne festen Verträgen. Die heutigen Geschlechterverhältnisse sind vor allem asymmetrische ökonomische Verhältnisse. Trotzdem mehren sich in den Medien die Darstellungen einer bestimmten Art von „Erfolgsfrau“, die alles im Griff hat. Die Werbung hat die junge Konsumentin längst für sich entdeckt und liefert die Projektionsfläche einer unabhängigen, erfolgreichen, flexiblen Singelfrau mit Recht auf Sex und Konsum. Allerdings muss sie jung sein, nie über 30, nie alleinerziehend, nie schwanger. Kurz die Werbung propagiert die perfekte Konsumentin und Arbeitskraft.
Ein weiter wesentlicher Aspekt dieser Entwicklungen ist die Aufhebung der Trennung von „privat“ und „öffentlich“. So wird das „öffentliche“ Arbeitsleben immer stärker mit ursprünglich der Privatsphäre zugestandenen Eigenschaften und Inhalten vermischt. Neben der bereits bekannten räumlichen und zeitlichen Aufhebung der Trennung („home-office“ sowie „Erreichbarkeit zu jeder Zeit“) werden weitere wesentliche Aspekte des persönlichen und körperlichen Lebens in die Ökonomie der Verwertbarkeit integriert. Erst letzte Woche schreibt z.B. der Stern auf sein Titelblatt unter der Rubrik Berufswelt: „Soziologin empfiehlt: Frauen nutzt Euer erotisches Potential“.
Mein Ziel ist es, diese Entwicklungen mit ihren aus unserer Sicht überwiegend kritisch zu bewertenden Aspekten (neben auch unbestritten vorteilhaften) in der Frauen und Arbeit –Trilogie darzustellen.
Der Erfolg unseres Kinofilms, einer Low-Budget-Tragikkomödie „Eine flexible Frau“, bei dem eine arbeitslose Architektin in die Niederungen der feminisierten Arbeit der Dienstleistungsbranche gestürzt wird, gibt uns Recht. Der Film war ein Festivalhit und kam sogar bis nach Cannes! Es wurde trotz aller Traurigkeit auch viel gelacht.
Der 2. Teil beschäftigt sich mit einem weiteren Aspekt der Ökonomisierung von Arbeit und betrachtet das gewandelte Verhältnis von Frauen zu ihrem Körper. Er heißt „Topgirl“ und untersucht die Sexarbeit einerseits als moderne. körperorientierte Dienstleitung, andererseits unter dem Aspekt der Geschlechterverhältnisse, deren vorhandene Hierarchie sich gerade im Feld der Prostitution ungemindert perpetuiert. Das Drehbuch wurde vom BKM gefördert.
Der 3. Teil „High Potential“ erzählt nun von einer so genannten “Erfolgsfrau“, also einer, die anscheinend alles erreicht, was die kapitalistische Wirtschaft den Gewinnern verspricht – beruflichen Erfolg, Geld, Anerkennung, kreative Arbeit. Diesem für die Protagonistin realisierten Versprechen werden die dafür notwendigen Anpassungsleistungen und Selbstverleugnungen gegenüber gestellt. Die asymmetrischen Geschlechterverhältnisse spielen auch hier eine wichtige Rolle, denn der mögliche Bruch durch die gläserne Decke erfordert in dieser Geschichte von der Protagonistin eine ganz besondere Haltung.