(…)Weird and abject, Eine flexible Frau (The Drifter) represents a remarkable sign of life in contemporary German cinema.
Tatjana Turanskyj’s feature debut is an Abschied von gestern (Yesterday Girl, 1966) for the globalisation era. It trails Greta M. (played by Mira Partecke), an unemployed architect on the verge of a nervous breakdown, through a series of absurd encounters in the capital. She divides her time between job centres and call centres, outmoded cafés and hypermodern townhouse developments. Earnest in her wish to work again, she is stymied by the hypocrisies and vocabularies of the new economy. She is schooled in mellifluous platitudes (“pragmatic utopian architecture”) and not allowed to be “unemployed”, but rather “looking for a new challenge”. Cold-calling to sell prefabricated houses, she must always “smile on the inside”. In the most charming terms, her boss (Laura Tonke) instructs her that every conversation must be a “rhetorical masterpiece”; after all, “communication is argumentation”. As an agent for the film’s overall concerns, Greta pursues a psychogeography of the new Berlin. This eludes her, if not us: the city is seen, literally and figuratively, through tinted lenses. Greta’s oversized shades reflect the capital’s new class of attractive urban professionals and fragmented prospects of gated townhouse communities. Through these semi-privatised streets (“surveilled, but ecologically correct!”) and the clans that dwell in them, Turanskyj lays bare the traditional (West German) gender dynamics in action behind the hip Prenzlauer Berg idyll and entertains the possibility of material existence and connectivity in an increasingly conformist society. The tone and form are post-Wall Fassbinder or Herbert Achternbusch on the Spree: to tourist groups and in YouTube missives, a chorus figure narrates Greta M.’s ultimate drowning in this “flexible” social order. Although at moments flawed and unfocused, Turanskyj’s portent promises a bright future for her career and a hopeless present for our civilisation.(…)
by Mattias Frey in sensesofcinema
weitere Pressestimmen 2010 und 11
Dieser Film ist ein harter Brocken für die ersten, immer so unsicher staksenden Tage eines neuen Jahres. Schonungslos schubst er seine Protagonistin in den freien Fall. (…) Zwischen fast sozialrealistisch ostinatem Hinsehen und bewusst inszenierten, oft kammerspielartigen Szenen oszillierend, schält “Eine flexible Frau” das fiese Gesicht einer ultraharten Gegenwart heraus. Ständig bekommt Greta zu hören: Sie müssen an Ihrer Performance arbeiten, Ihre Einstellung ändern, parieren, funktionieren, verlässlich sein. Und man möchte rufen: Aber so repressiv ist doch die Arbeitswelt gar nicht mehr! Sie lässt doch jetzt Subjektivität zu, fördert doch persönliche Entfaltung und kreatives Abweichlertum! Aber mittlerweile war Krise, und Turanskyi ist in ihrer Analyse den richtigen Schritt weiter: Kreativwirtschaft war gestern, der Künstler als Leitbild von Subjektivität ist ersetzt worden durch die Dienstleisterin, die traurige “Krisengewinnerin”, die für sieben Euro die Stunde König Kunde zu bezirzen und sich dabei frohgemut als emanzipierte Unternehmerin ihrer selbst zu fühlen hat. Was mit einer Frau passiert, die zu diesem Selbstbetrug nicht in der Lage ist, zeigt dieser Film.(taz, 06.01.2011, Kirsten Risselmann)
»Eine flexible Frau« ist eine ungewöhnliche Mischung aus Stadt- und Frauenporträt, postdramatischem Diskursfilm und feministischem Drama, Arbeiterinnen-Comedy und Prekariatstragödie. (…) Der Film verbindet Gretas Krise (»I’m an expert in crisis«) mit einer urbanen Topographie des neuen Berlin, dessen neue Bauvorhaben das Stadium der Gentrifizierung schon weit hinter sich gelassen haben. Auf den Streifzügen durch privatisierte und »sicherheitspsychotische« Townhaus-Ghettos, das Humboldt-Forum, das Areal des Finanzministeriums etc. erscheint die Stadt steril und abweisend. Der Künstlichkeit dieser Playmobilwelt entspricht die Künstlichkeit der Sprache, die Turanskyj als Verfremdungseffekt in die Erzählung vom sozialen Absturz ihrer Hauptfigur einbaut. »Eine flexible Frau« verfolgt dabei, dem Thema angemessen, keine einheitliche Narration, sondern wählt eine fragmentarische Form, die mal ziellos umherflaniert und – Gretas Haltlosigkeit entsprechend – zunehmend zerfasert, sich dann aber wieder, wie in den Filmen Godards, modellhaft und theoretisierend verdichtet (Jungle World, 06.01.2011, Esther Buss)
Turanskyjs arbeitslose Architektin bewegt sich durch ein Berlin, das sich städtebaulich massiv verwandelt: Gentrifizierung hat bereits stattgefunden, jetzt wird die Stadt verortet mit abgezirkelten Vorgärten, Privatstraßen und Town-Houses. (…) Für die Entortung des urbanen Raums findet Turanskyj eine fragmentarische, essayistische Form, die sich gerade so erst zu einem Ganzen fügen kann und den Blick auf die Emotionen der losgelösten Persönlichkeit frei räumt. (…) Witzig sind die Verknüpfungen von Disparatem, die bizarren Situationen, in die Greta auf ihrer ziellosen Architektenreise durch die Stadt gerät. (Film-Dienst, 6/2010, Julia Teichmann)
„Was können Sie gut?“, wird Greta Mondo (Mira Partecke) von einer Frau gefragt, die ihr bei der Selbstvermarktung für einen neuen Job helfen soll. „Trinken“, antwortet Greta und stellt sich damit auch ein wenig in eine Berliner feministische Filmtradition (Ulrike Ottinger, aber auch Helke Sander). In die Erfahrungen von Greta fließen viele der Debatten ein, die in der kritischen Intelligenz der Stadt in den letzten Jahren eine Rolle gespielt haben (und die im abgerissenen Palast der Republik einen Topos fanden, der in „Eine flexible Frau“ ausdrücklich eine Rolle spielt). (Tip Berlin, 02/2010, Bert Rebhandl)
Als Versuch, für die aktuelle Seins- und Bewusstseinslage des akademischen Prekariats eine angemessene filmische Form zu finden, ist EINE FLEXIBLE FRAU einer der interessantesten Ansätze der letzten Zeit. (epd Film, 1/2011, Silvia Hallensleben)
Der Neue Deutsche Film? Dieses Jahr lief Eine flexible Frau im Forum der Berlinale. Nix mehr mit »alter« Berliner Schule. Die sprachen nicht, die schauten nur. Turanskyj lehrt uns das Sprechen, und wir beginnen das Schreien. Wir lehnen uns auf, kritisieren. Sie stellt die Fragen. Welche Rolle spielt Arbeit? Lohnarbeit? Freundesarbeit? Familienarbeit? Wir ertränken sie. Wir benebeln uns. – Noch ‘n Herrengedeck! – Weil wir selbst keine Antworten haben. Weil wir sie in der Vergangenheit suchen. Und zu oft finden. – Für mich auch! – Ein Funke für den Moment. Auf die Zukunft! Ex! (Schnitt, 04.2010, Christian Lailach)
Greta auf Partys, im Callcenter, beim Bewerbungs-Coach, mit ihrem Sohn, mit Exkollegen, im Jobcenter, in Kneipen, bei Stadtspaziergängen. Kämpferisch, hysterisch, eigensinnig, wie in Trance, widerspenstig, hemmungslos, überschwänglich und todtraurig. Situationen, Begegnungen, Performances. Mehr Trip als Plot. Momentaufnahmen einer zeitgenössischen, brüchigen weiblichen (Arbeits-)Biografie. Eine flexible Frau als allseitig reduzierte Persönlichkeit. (Forum | Berlinale, Birgit Kohler )
Ändere dein Leben: „Eine flexible Frau“ von Tatjana Turanskyj
Der Titel des Films erinnert an Richard Sennetts Buch „Der flexible Mensch“. Die halb nackte Frau, die zu Beginn und am Ende über ein Stoppelfeld torkelt, könnte aus einem Ulrike-Ottinger-Film kommen. Hölderlin wird verlesen. Eine Visagistin referiert Marx. Einen feministischen Stadtbilderklärer gibt es auch. Keine Angst, das fügt sich alles zusammen. So assoziationsreich Tatjana Turanskyj arbeitet, so einfach und repräsentativ ist die traurige Geschichte, die sie erzählt. Da verliert eine alleinerziehende Architektin ihren Job und verkauft eine Weile Fertighäuser in einem Call-Center, bis sie wegen mangelnder Umsätze auch dort fliegt. Doch die Heldin ist klug, ausgestattet mit Widerspruchsgeist und klarem Unrechtsbewusstsein. Tatjana Turanskyj erzählt keinen sozialrealistischen Elendsporno, sondern erfindet eine eigene Form des narrativen Essayfilms, die vielschichtig private und professionelle Redeweisen und Haltungen ausstellt. Eine aktualisierte Variante der alten Frage nach dem Verhältnis von Fressen und Moral.
Silvia Hallensleben, Tagesspiegel, 18.02.2010
DENN SIE WOLLEN NICHT WISSEN WAS SIE TUN.
„Eine flexible Frau” (Forum) ist ein Porträt von hippen Großstadtverlierern und der konservativen Emanzipation der weiblichen Mittelschicht
Mann, sehen die gut aus, die neuen Frauen aus Berlin. Gut gemachtes Achtzigerjahredesign, geschmeidige Körper, cooles Auftreten. (…) “Eine flexible Frau” ist Tatjana Turanskyjs erster Spielfilm, und er hat viel mit Helke Sanders gleichfalls auf der Berlinale laufendem Klassiker “Die allseits reduzierte Persönlichkeit” (1978) zu tun. (…) Beide sind in ihrer Bestandsaufnahme gnadenlos. (…) Turanskyjs Heldin Greta ist Architektin, seit Neuestem arbeitslose Architektin. Zunächst gefällt sie sich noch in der Pose der Rebellin. Erst nach und nach bemerkt sie, wie sich ihre Verbindungen nach der Trennung auflösen, wie die Einsamkeit in ihr Leben kriecht. Greta verlegt sich aufs Kampftrinken. Ihre etablierten Freunde reagieren mit schweigendem Ekel. Ohne Partner zu sein, das geht noch in Ordnung. Aber den Job zu verlieren, das ist in diesen Kreisen nicht erlaubt. Es ist ihr pubertierender Sohn, der die allgemeine Verachtung für karrierelose Mittelstandsmenschen irgendwann offen ausspricht. (…)”Eine flexible Frau” ist ein wenig gutartiges Porträt von hippen Großstadtverlierern. Scheinbar im Vorübergehen und mit HD wird die konservative Emanzipation der weiblichen Mittelschicht dokumentiert. Das ist nicht schön anzusehen, aber durchaus sehenswert. (…)
Ines Kappert, taz, 19.02.2010
FOKUS
„Eine flexible Frau“
Die 40-jährige Greta in Tatjana Turanskyjs „Eine flexible Frau“ (Forum) ist nicht so flexibel, wie der Arbeistmarkt es von postmodernen, insbesondere weiblichen Biografien erwartet. (…) Um sich über Wasser zu halten, arbeitet Greta in einem Callcenter, das Fertighäuser an den Mann bringen will – Laura Tonke ist dort als ihre überspannte Chefin zu sehen, die den Druck von oben nach unten weitergibt und in schillernden Floskeln zur Arbeit antreibt.
Politisch-soziologische Gegebenheiten verhandelt die feministische Diskurstragödie und bleibt zutiefst anrührend. (…) Turanskyj arbeitslose Architektin bewegt sich durch ein Berlin, das sich städtebaulich massiv verwandelt: Gentrifizierung hat bereits stattgefunden, jetzt wird die Stadt verortet mit abgezirkelten Vorgärten, Privatstraßen und Town-Houses. (…)
Für die Entortung des urbanen Raums findet Turanskyj eine fragmentarische, essayistische Form, die sich gerade so erst zu einem Ganzen fügen kann und den Blick auf die Emotionen der losgelösten Persönlichkeit frei räumt. Auch die Künstlichkeit der Dialoge ist ein Mittel, einer Lebenswirklichkeit gerecht zu werden, der ihr gesellschaftlich akzeptierter Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Dank der Hauptdarstellerin Mira Partecke gelingt es, die Künstlichkeit ihrer Figur ganz natürlich anzuverwandeln: Nichts wirkt unnötig gestelzt oder blutleer theorisierend. Witzig sind die Verknüpfungen von Disparatem, die bizarren Situationen, in die Greta auf ihrer ziellosen Architektenreise durch die Stadt gerät. (…)
Julia Teichmann, Film-Dienst, 6/2010
ZIELLOS
40. „Internationales Forum des jungen Films“
(…) In Tatjana Turanskyjs eigenwilligem Debüt „Eine flexible Frau“ hadert eine arbeitslose Architektin mit den neoliberalen Ansprüchen der Berliner Kreativszene. Die von Mira Partecke hinreißend gespielte Greta ist in Widersprüche verstrickt, weiss um die Unmöglichkeit eines „richtigen Lebens im Falschen“ und verzweifelt dennoch daran; mal passt sie sich an, dann wieder begehrt sie auf.
Die Berliner Filmemacherin verbindet theoretische Ansätze mit Situationskomik und verliert dabei nie den Kontakt zur emotionalen Verfasstheit ihrer Hauptfigur.
„Eine flexible Frau“ ist kein perfekter Film, aber auf beeindruckende Weise verfolgt er die Vision von einem „anderen“ Kino; er sucht und findet eine eigene Sprache, eigene Bilder.
Esther Buss, Film-Dienst, 6/2010
Greta will keine Schnullibulliwelt
Der Berlinale-Beitrag „Eine flexible Frau“ wurde auch in Oberhavel gedreht
Eigenartig ist die Stimmung des Films. (…)Die Distanz liegt in der Sprache, in der Art, wie sich die Personen versteift bewegen. Ein bisschen ist es künstlerische Boheme, künstlich überdies, die Atmosphäre ist eigenwillig. Dennoch bleibt ein ganz starker Eindruck: Hauptdarstellerin Mira Partecke, die vor allem Theatergängern bekannt ist. (…) In Mira Parteckes Greta steckt alles Wollen, alle Energie dieser Welt.
Karen Grunow, Märkische Allgemeine, 19.2.10
FLEXIBEL UND FREI
Berlinale-Forum: Frauenbilder
Filmfestival-Retrospektiven sind nicht nur Erinnerungen an Filmgeschichte, sondern auch Gedächtnis von Zeitgeschichte. Ein schönes Beispiel in der Reihe »4 Jahrzehnte Forum« ist der Film »Die allseitig reduzierte Persönlichkeit – Redupers« von Helke Sander. 1977 als Langspielfilmdebüt der damals als eine der ersten Frauen an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) studierenden Regisseurin gedreht, wirkt er heute noch fast ebenso aktuell wie damals: An der Situation freiberuflich tätiger Frauen hat sich wenig geändert. (…)
Nicht nur der Farbe wegen kann man im Forum »Eine flexible Frau« von Tatjana Turanskyj als unterhaltsames Kontrastprogramm sehen. Auch dies ein Langspielfilmdebüt mit deutlichem Engagement gegen Anpassung, aber in moderner Formensprache. Titelfigur ist eine Architektin, 40, die ihren Job verloren hat und nun vergeblich wieder Anschluss an eine Gesellschaft sucht, in der nur die Erfolgreichen etwas gelten. Das führt sie durch Callcenter, Jobagentur, Architektenbüro, Schule und Kneipen, wobei nichts mehr von weiblicher Gegenaktivität und Solidarität spürbar ist wie vor dreißig Jahren bei Helke Sander. Ein Stadtführer, der auch die Rolle eines Kommentators übernimmt, bringt es auf den Punkt: »Der derzeitig propagierte Feminismus ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine konservative Emanzipation«.
Heinz Kersten, neues Deutschland, 19.02.2010
In Bildern denken: Drei deutsche Filme im Forum
Vogelflug im Sonnenschein: Dass man tatsächlich in Bildern denken kann, beweisen drei deutsche Filme im Forum. “Der Tag der Spatzen”, “Sunny Land” und “Eine flexible Frau”.
(…)Eine flexible Frau” von Tatjana Turansky ist ein relativ orthodoxer Spielfilm (…) – aber auch hier geht es ganz grundlegend um Formen des Wissens über gesellschaftliche Zusammenhänge und darum, ob dieses Wissen einem selber hilft. (….) “Was können Sie gut?”, wird Greta Mondo (Mira Partecke) von einer Frau gefragt, die ihr bei der Selbstvermarktung für einen neuen Job helfen soll. “Trinken”, antwortet Greta und stellt sich damit auch ein wenig in eine Berliner feministische Filmtradition (Ulrike Ottinger, aber auch Helke Sander). In die Erfahrungen von Greta fließen viele der Debatten ein, die in der kritischen Intelligenz der Stadt in den letzten Jahren eine Rolle gespielt haben (und die im abgerissenen Palast der Republik einen Topos fanden, der in “Eine flexible Frau” ausdrücklich eine Rolle spielt). (…) Bert Rebhandl schreibt zusammenfassend, dass in allen der von ihm besprochenen Filme „die Realien hineinragen wie Stützen einer kühnen Konstruktion – ein Charakteristikum, das allen drei genannten Filmen aneignet, die auf je ihre Weise das reflexive Moment von Film neu akzentuieren.“
Bert Rebhandl, tip, Februar 2010
GROßMUTTERS STÖHNEN
Wer kann über Broccoli-Schwänze lachen? Zwei Filme über die weibliche Emanzipation
Wo steht die Frau über vierzig Jahre nach der zweiten großen Frauenbewegung? Ist sie gefangen in einer konservativen Emanzipation? (…) Zwei Filme auf der Berlinale gehen der Sache aus ganz unterschiedlicher Perspektive nach. Greta ist im postmodernen Netzwerkkapitalismus angekommen. Sie war Freelancerin in einem Architekturbüro, wurde gefeuert, arbeitet nun im Callcenter. »Eine flexible Frau« heißt der Spielfilm von Tatjana Turansky. Doch Greta ist nicht flexibel. In der deutschen Karrierewelt scheitert sie. Zum Beispiel im Gespräch mit ihrem Jobcoach. »Definieren Sie spontan Ihre Stärken! Was können Sie gut?« – »Trinken«. – »Ah, eine Zynikerin. Sie müssen an Ihrer Performance arbeiten«. Greta versucht, sich den Verhältnissen anzupassen, ohne dabei ihre Würde zu verlieren. (…)Natürlich scheitert sie. »Der derzeitig propagierte Feminismus ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine konservative Emanzipation.« Kluge, ein Stadtführer und Feminist, begleitet Gretas Abstiegsgeschichte mit Kommentaren aus dem wissenschaftlichen Feminismus. »Es hat sich eigentlich gar nicht so viel geändert. Aus Arbeiterinnen sind Dienstleisterinnen geworden.« Emanzipation als flexible Anpassung an den Kapitalismus. Greta ist umgeben von Frauen, die diese konservative Emanzipation leben. Architektinnen der Gentrifizierung, die ihre Utopien längst verkauft haben. Oder »Schnulli-bulli-Zuverdienerinnen« in den sicherheitspsychotischen Berliner Townhouse-Ghettos. Greta aber will sich nicht anpassen. Eine 97prozentige Erfolgsquote kann ihr Jobcoach aufweisen. Drei Prozent Subversivität. »Eine flexible Frau« ist ein gelungenes Gesellschaftsporträt mit wenig Hoffnung. (…)
Elsa Köster, Junge Welt, 19.02.2010
DIE MUSCHELSAMMLER – Höhepunkte aus Panorama und Forum
(…) Und das deutsche Kino? Formal und inhaltlich grenzgängerisch auch hier zwei der interessantesten Produktionen. Tatjana Turanskyjs verfremdend in Szene gesetztes Portrai einer arbeitslosen Architektin (Eine flexible Frau) versucht eine filmhistorisch reflektierte Vergegenwärtigung weiblicher Identität in Zeiten neoliberaler Erosion. (…)
Silivia Hallensleben, epd-Film. 2/10
Internationales Forum des Jungen Films
Für Entdecker (…) Tatjana Turanskyj entdeckt uns in ihrem Langfilmdebüt “Eine flexible Frau” mit Mira Partecke eine unglaubliche, zutiefst emotionale Schauspielerin, die bislang vor allem im Theater erfolgreich ist. (…)
Karen Grunow, Prinz, Februar 2010
IM HAMSTERRAD DER DIENSTLEITUNGSGESELLSCHAFT
Eine flexible Frau von Regisseurin Tatjana Turanskyj erzählt, wie eine arbeitslose Architektin um ihre Würde kämpft
Greta (Mira Partecke) hat ihren Humor nicht verloren, noch nicht. Die Architektin ist arbeitslos, alleinerziehende Mutter, 40 Jahre alt und hat Schulden. Aber sie kämpft. Um einen neuen Job und um ihre Würde. Der sehenswerte Film „Eine flexible Frau“ von Tatjana Turanskyj zeigt, dass die Architektin zunehmend gegen Windmühlen ankämpft. (…)
Fritz Herrmann Köser, Märkische Oderzeitung, 18.2.2010
Auf der 60. Berlinale wird zurückgeblickt und recyclet, was die Filmgeschichte hergibt.
(…)Tatjana Turanskyjs Spielfilmdebüt »Eine flexible Frau« porträtiert mit einer gewissen Komik eine Frau Anfang vierzig, die ihren Job verliert, sich aber mit der erstickenden Hartz-IV-Wirklichkeit schon mal gar nicht anfreunden mag.
Jürgen Kiontke, Jungle world 11.2.2010
Die Architektin
Tatjana Turanskiy skizziert „Eine flexible Frau“ und ihr soziales Scheitern im Berlinale Forum
Berlin (Weltexpress) – (…)Tatjana Turanskiy hinterfragt in ihrem zwiespältigen Spielfilmdebüt Selbstdefinition durch Arbeit und das Wertesystem einer uniformen Gesellschaft. (…) Die ganze Kraft des Films liegt in der aktuellen Thematik und den pointierten Dialogen. (…)In bestechender Schärfe entwirft Turanskyj das Bild einer Gesellschaft, in welcher sich die weibliche Emanzipation in einen konservativen Antifeminismus verkehrt hat. (…)
Lida Bach, Weltexpress.info, 21. 2. 2010
The Future Belongs to the Service Sector – Eine Flexible Frau at Berlinale Forum
“A 40-year-old woman loses her job and has problems.” That’s really all you need to know about this assured, complex, and entertaining feature, which is first and foremost a good movie.
Eine Flexible Frau also presents an acute sociopolitical analysis of work and life for a woman in the New Berlin, and countless other “cities of women” of the new global capitalism. Initially inspired by Richard Sennett’s vision of the modern “flexible” corporation powered by disposable workers (The Corrosion of Character: The Personal Consequences of Work in the New Capitalism), Tatyana Turanskyj mixes imagery from the flattening urban topography, fashion magazines, and the new lingua franca of corporate buzzwords to create a surprisingly vibrant story of a woman spiraling out of our increasingly pointless society. (…)
In a scene of classic horizontal imagination that would make John Ford, Sergio Leone, or Clint Eastwood proud, the film begins and ends with the protagonist Greta (Mira Partecke, in a totally effective, heartbreaking performance) the morning after her birthday, staggering out of a field, jobless and (nearly) friendless, but still standing.
Avery Hudson, www.groundreport.com, March 04, 2010
Happy Birthday Berlinale – Happy Birthday Forum
First time filmmaker Tatjana Turanskyj brings her “Eine Flexible Frau” (“The Drifter,” 2010) to the Forum. Starring a whole slate of Berlin-based acting talent — including Mira Partecke, Laura Tonke, Franziska Dick and Dorothea Moritz, wife of the late Moving Pictures correspondent Ron Holloway. “The Drifter” is a portrait of forty-year-old Greta, who recently lost her job as an architect and is now struggling to find new meaning in her life. With a light touch, some wit and enough punch, Turanskyj leads her extensive cast with a secure hand through Berlin, and shows us locations and emotional places not often witnessed on the screen. Tanja Meding and Dorothea Holloway, www.movingpicturesmagazine.com, Feb. 18, 2010
Eclats de cinéma - Compte rendu (forcément) sélectif de la 60e édition de la Berlinale
…Dédié au jeune cinéma, le Forum, qui fêtait son quarantième anniversaire, s’avère sans conteste la plus stimulante de ces sections parallèles. (…) Eine flexible Frau, de l’Allemande Tatjana Turanskyj, qui suit avec une fébrilité palpable la dérive d’une femme d’environ quarante ans, à la recherche d’un emploi mais aussi – et surtout – d’une raison de vivre.
Jérôme PROVENÇAL, www.mouvement.net , 02/03/2010

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